Social table, Shootings, Sonne

Kapstadt begeistert Fotografen und Gourmets gleichermaßen

Es ist oft nicht so sehr wichtig, wo man ist, sondern mit wem. Irgendwo hatte ich diese Reisephilosophie aufgeschnappt. Hier in Observatory, einem quirligen In-Stadtteil von Kapstadt, wurde sie mit Leben gefüllt. Julia betreibt hier nach vielen Stationen in erstklassigen Restaurants das „Reverie“ (bedeutet Tagtraum). Das Besondere daran ist der Social Table darin.

Social Table bei Julia bedeutet hoher Genuss und spannende Gespräche

Rund 20 Fremde treffen sich dort an einer langen Tafel. Serviert wird ein Fünfgängemenü mit begleitenden Weinen. Als besonderes Extra zum lukullischen Top-
erlebnis gibt es jede Menge Konversation und Spaß. Denn während gewöhnlich die Gäste an Zweier- oder Vierertischen vor sich hin nuscheln, tauschen sich am Social Table experimentierfreudige Gourmets aus allen Ländern lautstark über dies und das aus. Eine fantastische Idee, die hier – im von Studenten geprägten Stadtteil „Obs“– gelebt wird.

Beckenbauer soll hier auch schon gesessen haben

Chefin Julia hat denn auch für uns „Germans“ eine nette Geschichte parat: Franz Beckenbauer soll hier auch schon gespeist haben und sogar einen Wein am Kap mit dem Namen „Innocence“ (heißt Unschuld) anbauen. Ich habe das amüsante Gerücht – wie auch all die anderen Geschichten – nicht auf seinen Wahrheitsgehalt hin überprüft. In jedem Fall war mein erster Abend in Kapstadt gleich in mehrfacher Hinsicht ganz nach meinem Geschmack.

Die Metropole für Fotoshootings

Am nächsten Tag ging es mit dem Augsburger Fotografen Adrian Beck und dem Berliner Produktioner Svensson Linnert nach Blouberg-Minerton zum Fashion-shooting mit zwei südafrikanischen Models. Kapstadt ist hierfür bestens geeignet. Schließlich befindet sich hier am Ende des afrikanischen Kontinents die gesamte
Infrastruktur für professionelle Shootings. Alles ist in Hülle und Fülle für kleines Geld verfügbar: Models, Haare-Make-up, Stylisten und sämtliches Equipment gibt es zum Mieten. So machte ich mir ein Bild der potenziell nächsten Location für die Produktion unserer Mode-Magazine für den anspruchsvollen Modefachhandel. Gerade während des deutschen Winters ist hier Highseason für Fotoproduktionen. Einzig der oft stürmische Wind verdient besondere Beachtung bei der Produktionsplanung und bringt schon mal den einen oder anderen Designer auf die sprichwörtliche Palme, weil Hose oder Bluse nicht stylisch fallen, sondern durch die steife Brise auf der Haut der Models kleben.

Chapman’s Peak eint Auto- und Naturfreunde

Tags darauf machten wir uns weiter auf die Suche nach spektakulären Locations und fuhren über den Chapman’s Peak von Kapstadt nach Simon’s Bay. Erster gehört zu den schönsten Straßen der Welt. Zahllose Clips für Autowerbung wurden hier gefilmt. Simon’s Bay ist dort, wo die Pinguine vor den Linsen der Kameras aufgeregter Touristen turnen. Beides muss man erlebt haben. Zur Belohnung empfehle ich in Simon’s Town das „Mangata Restaurant“ im ersten Stock. Leckeres, leichtes Essen sowohl für Fleisch- und Fischliebhaber wie auch Vegetarier.

Krönt den Tag: der sunset in Camps Bay

Wenn die Sonne langsam am Horizont ins Meer gleitet, ist Camps Bay ein guter Ort, um diesen Augenblick zu genießen oder gleich zu feiern. Da empfehle ich für den Sonntagabend das Café Caprice. Zu Chill-out- und später House-Klängen tanzen hier Models und jene, die es gerne wären, in die Nacht hinein. Gut, wer dann ein Zimmer im „Bay Hotel“ gebucht hat und somit nur einen Steinwurf laufen muss. Das weiße Haus mit drei Pools bietet einen herrlichen Blick über die Bucht und begeistert seine Gäste unter anderem mit motorisierten Reliquien aus alter und neuer Zeit.

Stellenbosch lockt Weinliebhaber

Wer nach Kapstadt reist und Wein liebt, muss natürlich nach Stellenbosch. Auf dem Weg in das verträumte Städtchen kommt man am „Weingut Jordan“ vorbei. Es liegt herrlich eingebettet zwischen Tausenden von Reben auf einem kleinen Hügel in der Nähe von Vlottenberg. Neben der tollen Aussicht, die sich ebenfalls für Shootings eignet, begeistern die edlen Tropfen, insbesondere die des mehrfach prämierten „Nine Yards“, die Gäste.

Der letzte Abend – und der kommt immer viel zu schnell – eignet sich für einen Abstecher in die berüchtigte Long Street in Kapstadt. Gleich um die Ecke zum „Mama Africa“ empfängt der „Pepperclub“ seine illustren Hotelgäste, die sich durch die von Backpackern gesäumten Bars getrunken haben, auf hohem Niveau. Wer es billiger mag, bekommt innerhalb des Dunstkreises der Long Street zahlreiche günstige Hotels, die einem die Möglichkeit für eine kleine Mütze Schlaf vor dem Abflug am nächsten Tag bieten.

Hoch im Kurs und dennoch günstig

Conclusio: Kapstadt ist eine faszinierende Metropole, die für Sonnenhungrige im europäischen Winter reizvoll ist. Für Shootings ist die südlichste Millionencity des afrikanischen Kontinents bestens geeignet. Und auch Gourmets und Nachtschwärmer kommen auf ihre Kosten. Und das zu einem niedrigen Kurs. Der südafrikanische Rand steht zum Euro derzeit für die Europäer besonders günstig. Die Wirtschaft am Kap lahmt gerade, was sich auf die Landeswährung direkt auswirkt.

Text: Günter Nowodworski

Meine Tipps

Hotels
Pepperclub | www.pepperclub.co.za
Bay Hotel | www.thebayhotel.com

Restaurants
Reverie Social Table | www.reverie.capetown
Mangata Restaurant | www.mangatarestaurant.co.za

Wein | www.jordanwines.com

Das Licht ist einzigartig am Kap.
Das schätzen nicht nur Fotografen.

Wo Fremde zu Freunden werden.
Der Social Table im „Reverie“.

Im Fotoshooting-Wunderland:
Kapstadt bietet die komplette Infrastruktur für kleines Geld.

Direkt am Bay in Camps Bay. Im gleichnamigen Hotel hat man einen herrlichen Blick. 

Wer dem europäischen Winter entfliehen will, findet in Kapstadt den Sommer.