Bin schon ganz aufgeregt. Gleich landen wir in Medellin, dem ehemaligen „Firmensitz“ des weltberühmten Drogenbarons Pablo Escobar. Hier ist er in seinem Taxi durch die engen Gassen gekurvt, während er seine düsteren Geschäfte abgewickelt hat. Die CIA hatte ihn längst auf dem Schirm, um ihn kurzfristig zu verhaften. Zu lange hatte Escobar sein Unwesen getrieben. Und als eines Tages seine Frau in der Transitzone des Frankfurter Flughafens festgehalten wurde, eilte der Kokainkönig zu überstürzt an sein Handy. Ortung, Zugriff durch die Behörden – der Rest ist Geschichte.

Medellin – einst Drogenmetropole, heute stylischer Start-up-Hotspot

Ein Taxifahrer – kein direkter Nachkomme von Escobar – kurvt mit uns den Kessel hinab nach Medellin. Die Stadt liegt wie in einem Vulkankrater geschützt. An Hängen zieren stylische Bauhausvillen mit ausladenden Pools die serpentinenreiche Strecke. Es Poblado soll der hippe Stadtteil sein, in dem sich die Kolumbianer amüsieren. Genau da haben wir unser Zimmer gebucht. Im Las Rosas Hotel Boutique steigen wir für 40 Euro die Nacht ab inklusive Frühstück. Ein Schnäppchen, wie so vieles in Kolumbien. Mein Reisebegleiter, ein ehemaliger Drogenfahnder, und ich, wir stürzen uns ins Nachtleben. Reiben uns ungläubig die Augen. Ein Havanna zwei hatten wir uns erwartet. Eine historische Stadt, konserviert von Misswirtschaft in den 60er-Jahren und vor morbidem Charme strotzend – Oldtimer, Pferdekutschen usw. Doch da hatten wir die Rechnung noch ohne die zukunftsorientierten Kolumbianer gemacht. Medellin, das ist die Start-up- und Lifestyle-Metropole schlechthin. Geschmackvoll eingerichtete Restaurants, vor denen der Valet-Parking-Service feengleiche Models mit transparenten Highheels galant aus ihren Limousinen begleitet. Vor den Bars und Kneipen hippe Generation-Y-Unternehmer, die genüsslich am Gin Tonic nippen. Von wegen rückständig: Medellin ist heiß, heiß auf Zukunft, voller junger Leute. Die Fassaden, übersät mit kunstvoller Graffiti, die Hightech-Straßenbahnen strotzen vor raffinierter Technik.

Salento lockt mit historischem Charme und unberührter Natur

Wir wollen nach zwei Tagen raus aus Medellin, rein in die Natur. Es geht nach Salento in den Bergen Kolumbiens. Hier ist es, wie wir es von Medellin erwartet hätten. Eine quadratische Plaza bildet das pochende Herz der verschlafenen Mittelgebirgsstadt. Eingesäumt von kunterbunten historischen Gebäuden, treffen sich hier die Willys-Jeep-Fahrer – um die Backpacker in die Berge und auf die Kaffeeplantagen zu transportieren – und die emsigen Obstverkäufer. Wir sind in einer der zahllosen Jugendherbergen abgestiegen und begeben uns am Morgen des nächsten Tages auf eine sechsstündige Wanderung auf den palmengesäumten Pfad der Berge um Salento. Ein wahrhaftig grüner Teppich erfreut auf jedem Schritt, Lunge und Auge. Die Luft ist klar wie das Bergwasser. Selten haben wir, ein schöneres Fleckchen Natur erkundet. Am Abend stärken wir, uns bei Fisch und Reis, feiern auf Salentos Plaza bis in die Morgenstunden. Der Beweis, dass wir die durchaus anstrengende Wanderung bestens überstanden haben.

Piratennest mit Spassgarantie: Cartagena an der Küste

„Kolumbien“, der Begriff kommt von Christoph Kolumbus. Und gemäß dieser Parallele zum großen Amerikaentdecker verspricht auch das südamerikanische Land nicht zu viel: Es gibt tolles zu entdecken. Und so fliegen wir nach Cartagena an der Küste. Die Altstadt kann man durchaus respektvoll als Piratennest bezeichnen, was die Stadt auch einmal war. Faszinierend, wie hier das Leben pulsiert. Salsa allerorten, Pferdekutschen, mit Menschen gesäumte Plazas und überall Gaukler, die die Nachtschwärmer unterhalten. Zwei Tipps muss ich hier loswerden: Das Hotel Casa Lola ist eine absolute Perle mitten in der Stadt in der Calle de Guerrero. Ein spanischer Architekt hat hier ein Kleinod mit bepflanztem Patio als Restaurant und stylischen Dachterrassen-Pools entworfen. Klein, aber sehr fein. Besonders lecker: Ceviche – ein kalt gegartes Fischgericht mit Koriander und Avocado, hm, lecker und erfrischend. Am Abend feiern Sie bitte in der Havanna-Bar in der Straße des Casa Lolas zu kubanischen Klängen der temperamentvollen Life-band und obligatorischem Cuba Libre.

Unberührte Küsten und raue See: der Tayrona-Nationalpark

Weiter gehts an die Grenze des Tayrona-Nationalparks mit einem Leihwagen, den die Blues Brothers hätten nicht besser aussuchen können. Überbreite Alufelgen, alle Scheiben mit schwarzer Folie beklebt, dafür nur 75 PS – ein Wahnsinn. Wir steuern geradewegs nach vier Stunden Küstenfahrt unsere Strandherberge an, die Playa Pikua Ecolodge. Einfach und einfach spitze sind die von Palmen gesäumten Holzhütten mit Outdoordusche. Man hört das Meer rauschen und die Grillen zirpen. Nebenan sitzen Backpacker am Lagerfeuer und nuckeln an der Corona-Flasche, während ein DJ aus Bogota Housemusic aus Ibiza auflegt. Der Trip von Cartagena hat sich jetzt schon gelohnt. Am Tag darauf erschließt sich uns ein faszinierendes Bild der nahezu unberührten Küste. Hier treffen das Salzwasser des Meeres und die Süsswasserquellen der Sierra Nevada zusammen. Ein Genuss sind die Ozeanbrecher und die „Badewanne“ der Berge. Wir hätten es am liebsten den Backpackern gleichgetan und wären so lange geblieben, bis wir die Tage nicht mehr hätten zählen können. 14 Tage Kolumbien sind einfach nicht genug. Wir kommen wieder. Versprochen.

Text und Fotos: Günter Nowodworski

Unberührte Traumstrände: Unweit des Tayrona-Nationalparks begeistert die Natur noch mit Ursprünglichkeit.

In Cartagena sind die Strassen für die allabendliche Party geschmückt.

Grüne Lunge: Berge um Salento laden zum ausgiebigen Wandern ein.

Kreativ auf Schritt und Schritt: In Medellin ist Graffiti-Kunst an jeder Ecke lebendig.